Projektskizze

Gliederung
01 Abstract
02 Projektbeschreibung
03 Relevanz
04 Motivation
05 Zielsetzung
06 Vorgehensweise
07 Projektablaufplan
08 Realisierung & Schwerpunkte
09 Quellen & Literatur

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Abstract
Ob maschinelle Übersetzungen, Autonome Mobilität, Identifikation von Objekten oder Personen und Prognosen – auf dem Smartphone, im Fahrzeug oder sogar in der Wettervorhersage: Künstliche Intelligenz (KI) findet heute einen breiten Einsatz in unserem Alltag.

Mit der immer häufiger werdenden Verwendung von Künstlicher Intelligenz und deren Möglichkeit eigenständige Entscheidungen zu treffen, für die zuvor allein der Mensch berechtigt war, hat eine Revolution der Mensch-Maschine-Interaktion begonnen. Diese wird sich vor allem auf sozialer und gesellschaftlicher Ebene abspielen und die emotionale Beziehung von Mensch und Maschine drastisch verändern.

Die Welt von morgen wird von KI durchdrungen sein. Laut einer Gartner-Umfrage ist der weltweite Anteil von Unternehmen, die KI einsetzen, in den vergangenen vier Jahren um 270 % angestiegen und liegt somit heute bei 37 %. [1] Deshalb ist es heute für die Zukunft essenziell, eine gesellschaftliche Vision dieser zu entwerfen: Wie wollen wir in der KI-Welt leben? Wie sieht die Koexistenz oder das Zusammenleben von Mensch und Maschine aus, und wie können oder sollten wir sie gestalten?

Die richtige Interaktion von Mensch und Maschine wird in dieser Welt wichtiger denn je. Die Zeit ist jetzt reif für eine neue, aufgeklärte Perspektive auf KI. Dafür brauchen Unternehmen nicht nur ein klares Verständnis dessen, was KI tatsächlich ist und kann, sondern vor allem Richtlinien, die eine gelungene und harmonische Interaktion in der Welt von morgen ermöglichen. Wir glauben, dass eine starke emotionale Bindung sowie eine natürliche Interaktion zwischen Mensch und Maschine eine neue Art der Beziehung formen wird. Diese Beziehung kann mit Hilfe eines Charakters durch Gestaltung beeinflusst werden. Durch eine wissenschaftlich fundierte, aber dennoch praxisorientierte Herangehensweise, möchten wir Prinzipien und Methoden entwickeln, die Design als Strategie im Bereich Künstlicher Intelligenz positionieren.

Gestalterische Methoden, wie beispielsweise qualitative Befragungen, User-Testings und die Entwicklung von Use Cases unterstützen die Ausarbeitung neben einer umfassenden Recherche im Bereich der Technologie und Psychologie. In einer ausführlichen Dokumentation des gesamten Prozesses mit zugehöriger Argumentation, werden sämtliche Erkenntnisse und Ergebnisse beschrieben und dargestellt. Unterstützende Visualisierungen dienen der Veranschaulichung der Arbeit.

Projektbeschreibung
Wir konzipieren und evaluieren Prinzipien und Methoden zur Gestaltung von Charakteren für das Forschungsgebiet der Künstlichen Intelligenz.
Damit wollen wir Design als Strategie im Bereich Künstliche Intelligenz positionieren. Die Master-Thesis dient als Grundlage und Werkzeug für alle beteiligten Personen an der Konzeption und Umsetzung von Künstlicher Intelligenz. Dabei sollen die Prinzipien durch den ganzen Prozess hinweg genutzt und eingesetzt werden können.

Künstlich Intelligente Systeme sind immer weniger nur als Werkzeug im eigentlichen Sinne zu verstehen, sondern treffen eigenständig, auf Intelligenz basierende, Entscheidungen. Bereits jetzt ist eine emotionale Bindung zwischen Mensch und Maschine nahezu allgegenwärtig. Eine emotionale Bindung ist laut dem Fraunhofer Institut mit ausschlaggebend dafür, eine am besten entwickelte Mensch-Maschine-Interaktion zu gewährleisten [2]. Dadurch erreichen wir ein neues revolutionäres Level der Interaktion zwischen Mensch und Maschine.

Durch eine zunehmende emotionale Bindung wird die Interaktion zwischen Mensch und Maschine vermenschlicht. Der Charakter nimmt hierbei eine immer entscheidendere Rolle bei der ganzheitlichen Interaktion ein. Der Charakter ist für uns das Werkzeug, um die Interaktion zwischen Mensch und Maschine zielorientiert zu beeinflussen.

Relevanz
Im Jahr 1956 wurde »Künstliche Intelligenz« als Forschungsgebiet vorgeschlagen [vgl. 3]. Bis heute beschäftigen sich unzählige Forscher und IT-Spezialisten mit dem Thema »Künstliche Intelligenz«.

»Künstliche Intelligenz« ist bereits heute ein fester Bestandteil unseres Alltags und wird uns in Zukunft vollkommen umgeben. Aus diesem Grund ist es unabdingbar den beginnenden Prozess der »neuen Ära der Rehumanisierung und der Sinnbarkeit«, wie es das Zukunftsinstitut beschreibt, mitzugestalten. Deswegen ist heute und auch in Zukunft besonders wichtig für Unternehmen ein klares Verständnis zu schaffen, was KI wirklich leisten kann und einen konstruktiven Blick auf KI-basierte Gestaltungspotenziale. Dabei ist ebenfalls der Mut erforderlich mit lernenden Maschinen zu kooperieren und diese zu entwickeln. [4]

„Eine Welt ohne KI wird es nicht mehr geben. Stellen wir die Weichen aber heute richtig, kann uns KI in eine Zukunft führen, die ökonomisch erfolgreicher, nachhaltiger – und menschlicher ist.“ 

Boening & Lanzinger, Zukunftsinstitut 2019 [4] 

Die aktuelle Debatte im Themenfeld der künstlichen Intelligenz wird dominiert von den polarisierenden Meinungen der KI-Befürworter und -Skeptiker.

Laut IBM ist eine der wichtigsten Aufgaben im Bezug auf Künstliche Intelligenz Vertrauen bei der Bevölkerung zu schaffen [5]. Um das Vertrauen in Menschen oder Produkte aufzubauen beziehungsweise zu beeinflussen wird eine gewisse Zeit und eine stetige Interaktion zwischen den Akteuren vorausgesetzt. Ebenso wichtig ist jedoch auch eine rationale, pragmatische Perspektive im Bezug auf den Einsatz von KI. Das neue Mindset muss vor allem dadurch bestimmt werden mit einem konstruktivem, zukunftsoffenen Blick an das Thema heranzugehen und die Gestaltungspotentiale der KI auszuschöpfen. [4]

Künstlich Intelligente Systeme sind immer weniger nur als Werkzeug im eigentlichen Sinne zu verstehen, sondern treffen eigenständig, auf Intelligenz basierende, Entscheidungen.[4] Durch die dadurch zunehmende emotionale Bindung wird die Interaktion zwischen Mensch und Maschine vermenschlicht. Der Charakter nimmt hierbei eine immer entscheidendere Rolle bei der ganzheitlichen Interaktion ein.

Die Interaktion ist aus soziologischer Sicht eine Voraussetzung für den Aufbau einer Beziehung. Dabei bestimmt unser Charakter die Qualität der Beziehung zu anderen. [6]

“As users we are lightheartedly willing to transfer the same rules we learned in life to interaction situations between us and animals or objects. This means, designers not only can but indeed should directly translate the principles of social interaction to the man-object interaction for the sake of the relationship design between the user and the application.“ 

Prof. Andrea Krajewski [6] 

Demnach ist die Gestaltung eines Charakters zur Unterstützung für die Konzeption und Umsetzung von Künstlicher Intelligenz unabdingbar [vgl. 6]. Eine ganzheitliche Gestaltung der Interaktion zwischen Mensch und Maschine kann nur dann funktionieren, wenn alle an der Entstehung beteiligten Personen dieselben Vorstellungen vom Produkt haben. Mit dem Charakter ist es möglich alle am Prozess beteiligten Personen zu leiten und dafür zu sorgen, dass diese ein Verständnis für das entstehende Produkt entwickeln.

Zudem entsteht dadurch ebenfalls ein Mehrwert für den Nutzer, der eine ganzheitliche Interaktion mit dem Produkt erleben kann.

Motivation
In einer Welt in der Mensch und Maschine eine immer emotionalere Beziehung miteinander eingehen, wird die Qualität dieses Zusammenlebens umso wichtiger. Vertrauen, Sicherheit und Verlässlichkeit spielen hierbei eine entscheidende Rolle [vgl. 4].
Wir wollen eine Zukunft gestalten, in welcher Menschen und Maschinen neben einer reinen Koexistenz in Harmonie zusammenleben und Hand in Hand miteinander kooperieren.

Eine starke emotionale Bindung sowie eine natürliche Interaktion wird zwischen Mensch und Maschine eine neue Art der Beziehung formen.
Der Mensch muss sich demnach nicht mehr den Maschinen anpassen, um zum Beispiel auf einer Tastatur die menschliche Sprache einzugeben, sondern die Maschine interagiert auf eine für den Menschen natürliche Art und Weise. Wir wollen die Intentionen Künstlicher Intelligenzen erkennbar machen und damit den Weg für ein vertrauensvolles Miteinander ebnen.
Mit unseren Prinzipien und Methoden möchten wir nicht nur jeden unterstützen, der an der Konzeption und Umsetzung von Künstlichen Intelligenzen beteiligt ist, sondern ebenfalls auf das unnatürliche, angepasste Verhalten des Menschen an Maschinen aufmerksam machen. Wir wollen Design als Strategie im Bereich Künstliche Intelligenz positionieren.

Zielsetzung
Das Ziel dieser Arbeit ist es, mit Hilfe einer Design-Strategie und dafür erstellte Prinzipien und Methoden die Konzeption und Umsetzung einer Künstlichen Intelligenz zu begleiten und zu unterstützen.

Die Master-Thesis wird strategisch im gesamten Projektentwicklungsprozess Anwendung finden, und als Grundlage und Werkzeug für alle beteiligten Personen dienen. Dadurch kann Design als Strategie angewendet werden, alle Touchpoints bedienen und somit ein holistisches KI-System gestaltet werden.

In unserer Master-Thesis widmen wir uns hauptsächlich der Fragestellung, wie und ob Charakterisierung bei der Konzeption und Umsetzung von Künstlicher Intelligenz unterstützen kann. Dadurch wird nicht nur der Entstehungs-Prozess vereinfacht, sondern die Intentionen der Künstlichen Intelligenz für den Nutzer transparenter. Der Hauptbestandteil sind Prinzipien und Methoden zur Erstellung eines Charakters. Damit wird im Kontext der Künstlichen Intelligenz ein Baustein geschaffen, welcher als Grundlage einer zielorientiert geführten Interaktion zwischen Mensch und Maschine dient. Ein weiteres Ziel ist es bisherige Herangehensweisen im Bezug auf das Themenfeld der Charakterisierung, beziehungsweise des Charakters und der Persönlichkeit von Produkten oder auch Marken zu untersuchen und abzubilden.

Wie können Mensch und Maschine in Zukunft harmonieren und ein vertrauensvolles Miteinander eingehen? Und wie kann dieses zielorientiert gestaltet werden? Müssen Künstlich Intelligente Systeme eine ethische Grundhaltung besitzen und wenn ja, welche? Wie kann eine Charakterisierung von Künstlicher Intelligenz bei der Konzeption und Umsetzung alle beteiligten Personen am Prozess unterstützen? Welche Anforderungen werden zukünftig an einen Charakter für eine Künstliche Intelligenz gestellt?

Diese und weitere Fragen werden wir im Zuge unserer Masterthesis in Form eines skalierbaren Anforderungskataloges, sowie der Entwicklung und Validierung eines exemplarischen Anwendungsbeispieles beantworten.

Vorgehensweise
Die Ausarbeitung unserer Master-Thesis findet im Zeitraum vom 2. September 2019 bis zum 7. Februar 2020 statt und umfasst eine detaillierte Dokumentation, welche die Argumentation und Ausarbeitung beinhaltet. Weiterhin umfasst die Arbeit eine Präsentation, sowie das Kolloquium des Projektes.
Zusätzlich dazu erfolgt eine öffentliche Ausstellung der Masterarbeit im Rahmen der Semesterausstellung der HfG Schwäbisch Gmünd, sollte das Projekt nicht der Geheimhaltung unterliegen.

Projektablauf
Das Fundament der Abschlussarbeit ergibt sich aus einer umfangreichen Grundlagenrecherche in dem Fachgebiet der Psychologie. Hier werden die Bereiche Vertrauen, Charakterentwicklung sowie Wahrnehmung genauer untersucht. Ebenso wichtig ist auch der aktuelle technische Stand im Bereich der Entwicklung künstlicher Intelligenz sowie Entwicklungen in der Regulierung und populärwissenschaftliche Debatten über die Nutzung und Begrenzung der Künstlichen Intelligenz.
Im Bereich der Psychologie spielen Aspekte, wie die Grundmerkmale eines Charakters, die Definition von Vertrauen und Authentizität im Hinblick auf die Maschine-Mensch-Interaktion eine entscheidende Rolle.

Aufbauend auf der Grundlagenrecherche in Psychologie und Technik soll außerdem untersucht werden, inwiefern der Charakter bereits jetzt in der Gestaltung eine Rolle spielt oder ob die Elemente des Charakters unter anderen Begrifflichkeiten geführt sind. In der Recherche wird festgestellt, welche Elemente des Charakters am häufigsten vorkommen und wie sie eingesetzt werden. Anschließend können auf dieser Basis einzelne Untersuchungen durchgeführt werden, um die Auswirkungen, mit und ohne Anwendung dieser Methode, zu erproben.
Des Weiteren werden auf Basis der Erkenntnisse eigene Methodiken zur Gestaltung eines Charakters entwickelt, welche ebenfalls getestet werden.
Weiterhin wird auf Grundlage dieser Untersuchungen ein System entwickelt, welches als Leitlinienprogramm für alle Beteiligten bei der Entwicklung von KI-Systemen herangezogen werden kann.

Realisierung & Schwerpunkte
Die Basis der Abschlussarbeit ist die vorausgehende Grundlagenrecherche in den Bereichen Design, Psychologie, Technik und Soziologie. Weitere angrenzende Forschungsbereiche werden dadurch allerding nicht ausgeschlossen. Im Zuge dieser werden entsprechende Hypothesen aufgestellt deren Validierung anschließend in Testsituationen erfolgt. Erkenntnisse aus diesen Untersuchungen werden explizit auf den Forschungsbereich der KI angewandt. Zusätzlich erfolgen Interviews mit Fachleuten aus den zuvor genannten Fachbereichen. Daraus resultiert die Formulierung eines anwendbaren Kataloges, der strategische Charaktergestaltung als Design-Strategie in Unternehmen ganzheitlich implementiert. Dieser Katalog beinhaltet Prinzipien und Methoden zur Charaktergestaltung.

Die Ergebnisse der Master-Thesis werden in einer Dokumentation mit enthaltener Argumentation umfassend dokumentiert sowie dargestellt. Zusätzlich erfolgt eine Veröffentlichung von kleinen Artikeln, welche als Teaser dienen. Diese befassen sich näher mit der Charaktergestaltung und aktuellen Erkenntnissen aus der Arbeit.

Die Realisierungsschwerpunkte des Projektes liegen vor allem auf dem wissenschaftlichen Fundament sowie den zu erarbeitenden Prinzipien und Methoden.

Quellen & Literatur
[1] K. Costello, Gartner Survey Shows 37 Percent of Organizations Have Implemented AI in Some Form Gartner, 21-01-2019, [Online]. Verfügbar unter: https://www.gartner.com/en/newsroom/press-releases/2019-01-21-gartner-survey-shows-37-percent-of-organizations-have. [Zugegriffen: 14-August-2019]. 

[2] Fraunhofer IAO, Human-machine interaction – Fraunhofer Institute for Industrial Engineering IAO 2019, [Online]. Verfügbar unter: https://www.iao.fraunhofer.de/lang-en/range-of-services/ people-and-it/human-machine-interaction.html. [Zugegriffen: 14- Aug-2019]. 

[3] D. Dr. Hecker, I. Döbel, U. Petersen, A. Rauschert, V. Schmitz, und A. Dr. Voss, Zukunftsmarkt Künstliche Intelligenz – Potenziale und Anwendungen, Fraunhofer – Allianz big Data, 2017, Seite 64, Seite 5, 6. 

[4] N. Boeing und C. Lanzinger, Künstliche Intelligenz: Wie wir KI als Zukunftstechnologie produktiv nutzen können. Frankfurt am Main: Zukunftsinstitut GmbH, 2019, Seite 7-13. 

[5] Building Trust in AI, IBM Cognitive – What’s next for AI, IBM, 11-Sep-2015. [Online].
Verfügbar unter: https://www.ibm.com/watson/advantage-reports/future-of-artificial-intelligence/building-trust-in-ai.html. [Zugegriffen: 04-Mai-2019]. 

[6] A. Prof. Krajewski, Character-Therapy For A Better UX, Something with Media, 17-Nov-2013. [Online]. Verfügbar unter: href=”https://andreakrajewski.com/2013/11/17/character-therapy-for-a-better-ux-2/. [Zugegriffen: 14-August-2019].